↑ ↓

2. Marine-Brigade (Ehrhardt)

Dieses Thema im Forum "Konvolute / Geschichten des Lebens" wurde erstellt von Hanseat, Sep. 7, 2007.

  1. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    Denkschrift der 2. Marine-Brigade (Ehrhardt)zu ihrem einjährigen Bestehen im Februar 1920.

    Im Inneren der aufwendig aufgemachten Broschüre werden unter dem Titel "Mit der 2. Marine-Brigade durch Deutschland!" die Einsätze des Freikorps zur Niederschlagung der Spartakusaufstände und andere Taten geschildert. Desweiteren sind in diesem Erinnerungsband aufgenommen, zahlreiche Eindrücke, Gedichte, Scherenschnitte und Gruppenaufnahmen.

    Viele Grüße,
    Hanseat

    P.S.: Übersicht des Inhaltes siehe: http://feldgrau.pytalhost.com/vbulletin/showthread.php?t=13146&highlight=Denkschrift

    © Archiv Hans Tröbst
     

    Anhänge:

  2. Waldgang

    Waldgang Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Die Broschüre ist ja wirklich der Hammer...da ging mir doch gerade dezent die Kinnlade runter =)

    Kann man sich kaum satt sehen...Glückwunsch :)
     
  3. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    Ja, ich habe mich auch sehr gefreut, diese vom Opa gesammelte Broschüre wieder in der Familie zu wissen. Format ist übrigens ein wenig mehr wie A4.
     
  4. Feldgrau

    Feldgrau Administrator Mitarbeiter AbzeichenAdmin

    hallo mario,

    wirklich sagenhaft was du nicht so alles hast!

    gruss feldgrau
     
  5. Schwarzer Adler

    Schwarzer Adler Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    RE: Denkschrift der 2. Marine-Brigade (Ehrhardt)

    Sehr schönes Stück!

    Gefällt mir sehr gut!

    Glückwunsch !

    Gruss Olli
     
  6. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    Nach dem Einstellen der Denkschrift habe ich mir nun gedacht, hier unter Konvolute mal einige weitere Dinge aus dem Nachlass meines Großvaters zur Brigade Ehrhardt einzustellen.

    So ist alles beieinander und bleibt überschaubar.

    Deshalb auch hier noch einmal der Ausweis aus dieser Zeit, den ich ehemals unter Dokumente schon vorgestellt hatte.

    © Archiv Hans Tröbst
     

    Anhänge:

  7. Schwarzer Adler

    Schwarzer Adler Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Hallo Mario!


    Super Stück°!

    So etwas zu haben mit den ganzen anderen Sachen deines Opas!

    Wahrsinn !
    Absoluter Hammer!

    Gruß Olli
     
  8. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    Ausweis/Anwerbung Februar 1920

    © Archiv Hans Tröbst
     

    Anhänge:

  9. Schwarzer Adler

    Schwarzer Adler Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Hast Du eigentlich noch Orden deines Opas"!

    Wenn ja !

    Bitte einstellen!

    Würde mich freuen!

    Gruß Olli
     
  10. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    Ausweis/Militär-Fahrkarte der Antrittsreise

    © Archiv Hans Tröbst
     

    Anhänge:

  11. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    Hallo Olli,

    Orden nur sehr wenige. Die meisten wurden nach dem Tode meines Großvaters in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg gegen Lebensmittel eingetauscht. Die gilt es also wieder zu besorgen.
     
  12. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    Brigadetagesbefehl Nr. 30
    vom 26.02.1920

    U.a.
    Unter 1. IIa. - Mitteilung zur Ausgabe der Verdienstabzeichen und Besitzzeugnisse.
    Unter 2. IIa. - Mitteilung zur Einstellung meines Großvaters in die 2. Marine Brigade.

    © Archiv Hans Tröbst
     

    Anhänge:

  13. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    Besitzzeugnis zum Verdienstabzeichen

    © Archiv Hans Tröbst
     

    Anhänge:

  14. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    Eintrag

    © Archiv Hans Tröbst
     

    Anhänge:

  15. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    Ergänzend und als Begleitung zu Dokumenten und noch folgenden Fotos füge ich zu diesem Thema in kleinen Auszügen noch einige Textpassagen aus den Aufzeichnungen mit an.

    -------------------

    Bei der Zweiten Marinebrigade
    13.2.20 bis 15.7.20

    ......"Nachdem ich mich in Heisede einige Tage ausgeruht hatte, erhob sich für mich die große Frage: was nun? Irgendein Kriegsschauplatz, wo die "Büchsen knallten und der Mann noch was wert war" gab es zur Zeit nicht, also musste ich mich wohl oder übel zunächst mal nach einem Verein umsehen, wo mit Platzpatronen geschossen wurde.

    In die Reichswehr wollte ich nicht, da ich keine Lust hatte, meine Achselstücke zu vertauschen, die einzige Formation, die für mich noch übrig blieb, war die Zweite Marinebrigade (Division Lettow Vorbeck), die immer noch frisch und fröhlich Freiwillige anwarb. Nachdem ich auf mein Angebot eine zusagende Antwort erhalten hatte, stellte ich mein Erscheinen für den 13.2.20 in Aussicht und amüsierte mich zunächst mal gründlich in Hannover."......

    -------------------

    ......"Nach zweitägigem Aufenthalt fuhr ich von hier nach Bremen, übernachtete dort und traf endlich am anderen Tag in Wilhelmshaven ein, wo ich im Lauf des Vormittags die üblichen Formalitäten auf den Geschäftszimmern der Brigade erledigte.

    Mit seinen regelmäßigen, sich immer rechtwinklig kreuzenden Straßen machte das Nest einen ziemlich eintönigen Eindruck. Auffallend war die gute Straßendisziplin der Matrosen. Am Hafen selbst konnte es einem ziemlich jämmerlich zumute werden. Überall die abgetakelten Schiffe und überall die Ruhe eines Kirchhofs. Nur ab und zu schoß mal ein Motorboot vorbei, das war alles."......

    -------------------

    ......"Spät abends landete ich in Heisede, amüsierte mich dann noch ein paar Tage mit meinem Bruder in Hannover und fuhr dann nach Döberitz los.

    Spät abends kam ich an, nächtigte im "Gardestern" und meldete mich am anderen Tag beim II a, dem Kapitänleutnant von Trotha, der mich als Kompanieführer dem Bataillone "Nordsee" dass im Lager Zossen lag, zuteilte. Führer der Marinebrigade war ein Korvettenkapitän Ehrhardt, der sich eines ausgezeichneten Rufes als eines schneidigen Torpedobootführers und tollen Draufgängers erfreute.

    Die Truppen im Lager selbst machten einen ausgezeichneten Eindruck. Tadellose Ehrenbezeugungen, guter Anzug und stramme Haltung zeichneten sie aus. Gerade als ich zur Bank gehen wollte, kam ein Bataillon mit klingendem Spiel von einer Felddienstübung zurück. Mir lachte ordentlich das Herz im Leibe, als ich das schöne militärische Bild an mir vorüber ziehen lassen konnte."......

    © Archiv Hans Tröbst
     
    Zuletzt bearbeitet: Nov. 19, 2008
  16. wolfsbur

    wolfsbur Administrator Mitarbeiter AbzeichenAdmin

    hallo mario,

    die denkschrift ist ja echt der hammer. habe ich bisher noch nie gesehen.

    auch die dokumente sind höchst interessant und die auszüge aus seinen aufzeichnungen. ein toller nachlaß deines großvaters.

    vielen dank fürs zeigen!

    gruß thorsten
     
  17. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    ......"Nachmittags um fünf traf ich endlich in Zossen ein und langte nach 20 Minuten Wagenfahrt im Lager ein. Äußerlich machte es völlig den Eindruck einer Villenkolonie, lauter geschmackvoll gebaute, zweistöckige Gebäude, die in nichts an eine Kaserne oder an den Kommiss erinnerten. Ich meldete mich beim stellvertretenden Bataillonsführer, einem Hauptmann Hermann vom Infanterie Regiment 47 aus Posen und traf auf dem Geschäftszimmer gleich wieder einen alten Bekannten, den Oberleutnant Göthe, mit dem ich 1910 in Engers zusammen gewesen war."......

    -------------------

    ......"Im Allgemeinen aber war wer erste Eindruck, den ich vom Offizierskorps gewonnen hatte, ein recht günstiger gewesen. Nur auf den Kommandeur, der zur Zeit auf Urlaub war, schimpfte alles kräftig herum. Er war so ein Demokrat und Ungelernter, so ein "auf-den-Boden-der-Tatsachen-sich-gestellt-habender", der das Tragen des blauen Überrocks und des langen Degens verboten hatte, der jede politische Tätigkeit verbot und der lediglich in seinem engen Kommiss aufging.

    Ihm kam es nur darauf an, nach alter Art und Weise Soldaten auszubilden, die er der jeweiligen Regierung zur Verfügung stellte, ganz gleich, ob das eine monarchistische oder kommunistische war. Der ganze Dienst war für ihn lediglich eine Brot- und Magenfrage. Wenn er nur versorgt war. Ullrich hiess der würdige Vertreter."......

    © Archiv Hans Tröbst
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: Nov. 19, 2008
  18. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    ......"Mit kräftigem Ölkopf richtete ich mich am folgenden Tag in meiner neuen Wohnung "Stabsoffizier-Baracke 1 Zimmer 17/18" häuslich ein und übernahm am nächsten Tag meine 3. Kompanie. Kompanie-Offiziere waren die Leutnants Kleine, Siebert und Merkel, etatsmässiger der Feldwebel Grosshans. Das ganze Bataillon war eine Art Ersatztruppenteil für die in Döberitz stehende 2. Marinebrigade und bestand aus vier Kompanien, denen Maschinengewehrzüge und eine Artillerieabteilung zugeteilt waren. Der Ersatz, der alle 14. Tage in größeren und kleineren Trupps eintraf, bestand meistens aus 17 bis 18-Jährigen jungen Bengels, die noch in keiner Weise politisch irgendwie angekränkelt waren."......

    © Archiv Hans Tröbst
     
    Zuletzt bearbeitet: Nov. 19, 2008
  19. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    ......"Die stereotype Antwort auf die Frage: "Warum habt Ihr euch anwerben lassen?" war regelmäßig: "Ich hatte solche Lust bei die Soldaten". Es war also recht gutes Material und bei einer geeigneten Behandlung musste sich eine ganze Menge daraus machen lassen. Es war eben die neue Generation, die 1914 erst 12 Jahre alt war und die damals in der großen Kriegsbegeisterung eifrig Soldaten gespielt hatte, ohne später den üblen Einflüssen des Großstadt- und Fabrik-Lebens zu erliegen. Das Ausbilden des Unteroffizierpersonals war ebenfalls ganz ausgezeichnet, ganz alte Schule."......

    © Archiv Hans Tröbst
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: Nov. 19, 2008
  20. Hanseat

    Hanseat <span style="color: blue;">Supermoderator / Ehrenm

    ......"Dienst war den Umständen entsprechend und nicht allzuviel. Um 6:30 Antreten, um 7:30 Uhr bis 8:00 Uhr Griffe auf den Stuben, 8:00 Uhr bis 10:30 Uhr Außendienst, 11:00 Uhr Appell, 2:30 Uhr bis 5:00 Uhr Außendienst und von 7:00 bis 8:00 Uhr Vaterländischer Unterricht. Diesen erteilte ich persönlich, und legte ihm eigentlich den größten Wert bei. Selbstverständlich fand er nicht die Billigung des Kommandeurs, der darin eine unzulässige politische Beeinflussung der Mannschaften sah, von der er Unannehmlichkeiten für sich befürchtete.

    Als Themata wählte ich zunächst nur Spartakus und Bolschewismus, daneben verband ich eine eifrige Werbetätigkeit für die Eiserne Division und ihre großen Gedanken. Die Kerls waren alle mit großem Interesse dabei und es gewährte mir eine besondere Befriedigung, dass sich allabendlich auch Zuhörer aus anderen Kompanien einstellten.

    Diese Unterrichtsstunden waren für mich immer Lichtblicke in dem öden Einerlei des Dienstes. Ich kam eigentlich immer, wenn ich abends körperlich müde und geistig abgespannt ins Revier ging, erfrischt und munter zurück. Denn das Lagerleben war im Allgemeinen recht stumpfsinnig und verdammt eintönig. Meine Baracken-Wohnung war mit recht preußischer Einfachheit möbliert. Feldbett, Tisch, - der zur Hebung der Gemütlichkeit mit einem Woilach bedeckt war - zwei Stühle, ein Schemel, Schrank und Kommode, und im Schlafzimmer nebenan ein Waschtisch, das war alles. Der eiserne Ofen verschlang eine Menge Holz, dass täglich in einer Anzahl von drei Kloben geliefert wurde, und heizte nur stellenweise.

    Punkt 7:00 Uhr morgens erschien regelmäßig Josef, mein Herr Bursche, um mich mit einem donnernden "Guten Morgen, Herr Hauptmann" zu wecken. Dann wurde die Morgenzigarette geraucht und der Kaffee mit den Stullen serviert. In Ermangelung jeglichen Geschirrs benutzte er als Unterlage entweder ein altes Halma-Brett, oder, wenn er seinen literarischen Tag hatte, eine Zeitung oder den "Leitfaden für das Betriebsrätegesetz", die mir dann als Ersatz für die fehlende Morgenzeitung dienten. Punkt 8:00 Uhr stand ich dann regelmäßig vor der Kompanie, wo sich mit dem Feldwebel regelmäßig die tiefsinnigen Debatten entwickelten, warum wohl Freiwilliger Priepuleit eine zu lange Hose und Musketier Sengespiel einen zu engen Waffenrock anhaben. Dann ging es mit Gesang zum Lager hinaus, Richtung Schöneiche, die Sonne flimmerte durch die Tannenwälder und ich dachte mit Sehnsucht an die Reise nach Kurland! Wann werden wir wohl wieder satteln?"......

    © Archiv Hans Tröbst
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: Nov. 19, 2008
House Of History Heeresgeschichten Hans Tröbst Sammlergemeinschaft Deutscher Auszeichnungen Wöschler Orden Militaria und Antiquitäten Antikes & Allerlei