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Artillerie- und Infanterie-Faschinen-Messer im Königreich Württemberg

Dieses Thema im Forum "Mit Griff & Klinge" wurde erstellt von joehau, Dez. 22, 2016.

  1. joehau

    joehau Moderator / Sponsor AbzeichenMod

    Artillerie-Faschinen-Messer u/M - Kgr. Württemberg

    1824 mußte die Artillerie ihre Gewehre abgeben und war danach nur noch mit dem
    Seitengewehr bewaffnet. Ab ca. 1849 erhielt die preußische Artillerie als erster
    Truppenteil das neue Artillerie-Faschinenmesser anstelle des bisherigen 'Seitengewehrs
    ohne Stichblatt'. Die Klinge erwies sich mit 63 cm als zu lang und geriet beim Fahren
    auf der Protze gelegentlich auch in die Speichen, was für den Träger und das
    Faschinenmesser gleichermaßen ungesund war.

    1852 bekam die preußische Infanterie das baugleiche Infanterie-Faschinenmesser n/M,
    mit einer um 15 cm kürzeren Klinge. Die Artillerie-Faschinenmesser wurden 1888 auf
    das gleiche Maß gekürzt.

    Auch in Württemberg wurde zur Vereinheitlichung der Bewaffnung in den deutschen
    Staaten das preußische Artillerie-Faschinenmesser AF ( M/49 ) im Jahre 1875 bei der
    Artillerie eingeführt. Es wurde zuerst in der langen und später in der kurzen Ausführung
    von den unberittenen Mannschaften der Feldartillerie bis in den 1. Weltkrieg getragen.
    Nach der Kürzung wurde es in Württemberg offiziell als 'Artillerie-Faschinen-Messer u/M'
    bezeichnet.

    Bei den Preußen hingegen wurde dieses Artillerie-Faschinen-Messer ab 1890 durch das
    Seitengewehr u/M ersetzt.
     

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  2. joehau

    joehau Moderator / Sponsor AbzeichenMod

    Art.-Fasch.-Messer u/M (M1875) Kgr. Württemberg

    Gesamtlänge: 567 mm
    Klingenlänge: 430 mm
    Klingenbreite: 34 mm
    Länge der Scheide: 472 mm

    Hersteller: P.D. Lüneschloss, Solingen


    Stempel:

    Fehlschärfe links Firmenzeichen P.D. LÜNESCHLOSS SOLINGEN
    Klingenrücken W14 ( König Wilhelm II. von Württemberg ) und Abnahmestempel
    Abnahmestempel auf Parierstange rechts, auf Deckblech und Ortknopf der Scheide
     

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  3. joehau

    joehau Moderator / Sponsor AbzeichenMod

    Art.-Fasch.-Messer u/M (M1875) Kgr. Württemberg

    Im Kriege wurde das knappe Messing des Griffes und der Beschläge in
    Württemberg durch Eisen ersetzt. Die Eisenausführung ist allerdings
    sehr selten. Es ist überhaupt erstaunlich, dass ein so unpraktisches
    und höchst überflüssiges Gerät bei den knappen Resourcen im Krieg
    noch weiter für die Truppe hergestellt wurde.


    Stempel:

    Fehlschärfe links Firmenzeichen P.D. LÜNESCHLOSS SOLINGEN
    Klingenrücken W15 ( König Wilhelm II. von Württemberg ) und Abnahmestempel
    Parierstange rechts und Ortknopf je ein Abnahmestempel
     
  4. meisterlutz

    meisterlutz <span style="color: blue;">Sponsor / Ehrenmitglied AbzeichenSponsor

    Die Karte ist beschriftet mit Weltkrieg 1914 / 15. Da wahren sie also noch im Dienst.
    Gruß Lutz
     

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  5. joehau

    joehau Moderator / Sponsor AbzeichenMod

    Wenn das Württemberger sind, soll es wohl so sein, weil die Art.Fasch.Messer
    noch 1915 neu hergestellt wurden. Aber wenn es Preußen sind, hat sich die
    Literatur geirrt.
     
  6. Deichkind

    Deichkind Moderator / Sponsor AbzeichenMod

    Hallo,
    schöne Fotos und interessante Erläuterung zu dieser Blankwaffe. Wenn ich mich richtig belesen habe, wurden Faschinenmesser ursprünglich (im 19. Jhd.) sowohl als Waffe, als auch als Werkzeug (z.B. um Reisigbündel zu schneiden) genutzt. Daher der Name Faschinenmesser. Meine Frage nun: Galt diese doppelte Funktion auch noch im 1. Weltkrieg?
    Deichkind
     
  7. joehau

    joehau Moderator / Sponsor AbzeichenMod

    Ja, das Wort Faschinen kommt von lateinischen fascis, was Rutenbündel bedeutet.
    Die Ruten spielten in Form von geflochtenen Körben, die mit Erde befüllt wurden
    und als Deckung neben den Kanonen standen, eine große Rolle. Ebenso zum
    Stellungsbau der Infanterie, der allerdings bei Einführung der Faschinenmesser
    noch nicht die Rolle spielte, wie im Weltkrieg.

    In erster Linie war die Seitenwaffe für die Artillerie wohl eher Zierrat, weder
    zur Selbstverteidigung noch als Werkzeug sonderlich zu gebrauchen.


    Das Militär-Wochenblatt schrieb 1886:

    "Über die Bewaffnung des Feldartilleristen

    Betrachten wir zunächst das Faschinenmesser. Mit ängstlicher Sorge müssen
    die auf den Achsensitzen sitzenden Nummern das lange Messer bewahren,
    damit es nicht zwischen die Speichen kommt, selbst Schaden leidet oder, was
    noch schlimmer, dem Träger Schaden bringt ...

    Und dabei ist sie ein unschönes, überlanges Ding, das nicht einmal zum
    Holzspalten recht zu brauchen ist; jedenfalls darf es im Frieden nicht dazu
    benutzt werden. Er muß damit exerzieren, die schwierigsten Griffe ausführen,
    unendlich viel Zeit und Mühe mit Erlernen von Manipulationen hinbringen, die
    nichts nützen, unschön und für die allgemeine soldatischen Ausbildung kaum
    von Wert sind."


    Natürlich galt das erst recht im Weltkrieg. Zum Stellungsbau waren Schaufeln,
    Sägen und Äxte gefragt, das Faschinenmesser störte nur. Aber die Tradition war
    stärker, sonst hätte man nicht 1915 noch neue Faschinenmesser hergestellt.
     
  8. joehau

    joehau Moderator / Sponsor AbzeichenMod

    Zum Vergleich ein Bild mit einem preußischen Artillerie-Faschinenmesser AF
    in voller Länge bei seiner Einführung, darüber das 1852 eingeführte, kürzere
    preuß. Infanterie-Faschinen-Messer.

    Ab 1888 wurden die langen Klingen auf das Maß des Inf.-Fasch.-Messers
    gekürzt, bzw. erhielten die neu hergstellten gleich die kürzere Klinge. Das
    gilt für die Preußen wie für die Württemberger.
     

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  9. Deichkind

    Deichkind Moderator / Sponsor AbzeichenMod

    Besten Dank, auch für das schöne Zitat aus dem MWB!
    Deichkind
     
  10. dragoner

    dragoner Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Schönes Faschinenmesser , habe leider auch nur ein passendes Bild dazu
     

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  11. joehau

    joehau Moderator / Sponsor AbzeichenMod

    Württemberger ist er - aber offensichtlich kein Kanonier.
    Ob das ein Dienstfahrrad ist ? Oder eine Studiorequisite ?
     
  12. meisterlutz

    meisterlutz <span style="color: blue;">Sponsor / Ehrenmitglied AbzeichenSponsor

    Auf dem Helmbezug ist eine 29 also müsste es sich hierbei um das 2.Württembergische Feldartillerie-Reg.handeln.
     
  13. joehau

    joehau Moderator / Sponsor AbzeichenMod

    Jetzt, wo du es schreibst, sehe ich die 29 auch ... Guter Bildbeleg !
    2. Württembergisches Feld-Artillerie-Regiment Nr. 29 'Prinzregent Luitpold von Bayern'

    Passt also alles mit den Faschinenmessern !
     
  14. Amberg

    Amberg Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    An dem Tag hat es geregnet! ;-)
    Schau mal auf die Reifenspuren am Boden, das vordere Schutzblech ist innen versifft und an der vorderen Felge sieht man eine kleine Wasserlache am Boden. Ich würde also auf jeden Fall auf sein Dienstfahrrad tippen.
    Ansonsten ist es ein Sanitäter. Das sind Sanitätstaschen am Koppel.
    Danke
    Gruß
    Wolfgang
     
  15. dragoner

    dragoner Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Du hast recht , an der Querstange hängen auch Wassertropfen , gutes Auge :)

    Die Taschen sind Munitionstaschen , und er hat eine 13 auf den Klappen , ich denke Train-Abteilung 13

    Hans-Dieter
     
  16. Amberg

    Amberg Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Die einzigen Patronentaschen, die von der Größe und Form hinkommen könnten, ist das Modell 95. Das haben aber nur Infanteristen, Jäger und Schützen bekommen.
    Train und Artillerie usw., sofern mit Langwaffen ausgestattet, hatten nur die kleinen Patronentaschen.
     
  17. dragoner

    dragoner Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Ich bleibe bei Patronentaschen
     

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  18. alpencorps

    alpencorps Sponsor AbzeichenSponsor

    sehe ich da eine Labeflasche ??
     
  19. joehau

    joehau Moderator / Sponsor AbzeichenMod



    Um es einmal über seine Seitenwaffe aufzuziehen... Wenn er Patronentaschen
    hat, müsste er auch ein Gewehr dazu haben. Zu diesem wiederum bräuchte
    er eine aufpflanzbare Blankwaffe. Da er ein nicht aufpflanzbares Faschinenmesser
    trägt, tendiere ich zu San.Taschen.
     
  20. nonsolicedit

    nonsolicedit Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Handelt es sich hierbei auch um ein solches Faschinenmesser?
     

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